MORE Framework

Eine Spezifikation. Viele Ableitungen. Keine zweite Wahrheit.

MORe ist eine Methodik für die Informationsarchitektur von IT-Projekten. Fachliche Regeln werden einmal geführt. Schema, Validator, Testfall, Mapping und Dokumentation entstehen daraus als Ableitungen.

So arbeitet MORe: https://more-framework.org/demo/index.html

Das Problem

Moderne Projekte verlieren nicht ihre Informationen. Sie verlieren deren Zusammenhang.

Nehmen Sie eine einzige fachliche Regel: Ein Eingabefeld wird unter bestimmten Bedingungen ein Mussfeld.

Diese Regel steht in der Fachkonzeption. Sie steht als Constraint im XSD. Sie steht als Prüflogik im Validator. Sie steht in einem Testfall. Sie steht implizit im Code. Und sie steht in der Excel-Tabelle, mit der die Fachabteilung arbeitet.

Sechs Orte, sechs Autoren, sechs Änderungszeitpunkte. Niemand hat entschieden, dass die Regel mehrfach existieren soll. Sie ist mehrfach entstanden, weil jeder Ort seine eigene Darstellung brauchte.

Ändert sich die Regel, ändert sich nicht überall dasselbe. Ab diesem Moment ist unklar, welche Fassung gilt. Nicht theoretisch, sondern bei der nächsten Prüfung, beim nächsten Defect, beim nächsten Onboarding.

Das Problem moderner Projekte ist nicht der Mangel an Informationen, sondern der Verlust ihres Zusammenhangs.

Moderne Projekte verlieren nicht ihre Informationen. Sie verlieren deren Zusammenhang.

Der Ansatz

Eine führende Spezifikation. Alles andere wird daraus abgeleitet.

MORe kehrt die Richtung um. Die fachliche Regel wird an genau einer Stelle geführt: versioniert, mit fachlichem Ort und eindeutiger Zuständigkeit. Schema, Validator, Testfall, Mapping und Dokumentation entstehen daraus als Ableitungen.

Jede Ableitung trägt eine fachliche Aussage. Ein generischer Verweis wie „siehe auch" reicht für belastbare Nachvollziehbarkeit nicht aus.

Die Grenze verläuft vor dem Anwendungscode. Die Spezifikation darf modellgetrieben sein. Der Code bleibt eigenständig und refaktorierbar. Er muss seine Konformität zur Spezifikation nachweisen, nicht aus ihr erzeugt werden.

Kein Werkzeug. Kein Vorgehensmodell. Keine Governance.

MORe liefert die Artefaktebene darunter.

Eine führende Spezifikation. Alles andere wird daraus abgeleitet.

In der Praxis

Drei Fälle, an denen sich das entscheidet.

Methodik lässt sich schlecht abstrakt beurteilen. Drei reale Umsetzungsstände zeigen, was die Umstellung konkret bedeutet — einschließlich des Falls, in dem es schiefgeht.

ZOHO — so nicht. Dokumentdenken reproduziert Bürokratie. Wer Struktur über Dokumentvorlagen herstellt, bekommt mehr Dokumente, nicht mehr Zusammenhang. Gerade bei einer kleinen Anforderung wird sofort sichtbar, ob eine Informationsarchitektur den Sachverhalt klärt oder nur eine Vorlage nachbaut.

ELSTER — eine Spezifikation, viele Ableitungen. Der Referenzfall. Eine fachliche Regel wird an einer Stelle geführt; Schema, Validator, Mapping, Testfälle und Dokumentation entstehen daraus. Die Grenze verläuft vor dem Anwendungscode.

KI — verteilte führende Orte. Beim Support-Chatbot reicht die Kette Anforderung, Umsetzung, Test nicht mehr. Datenquellen, Prompt, Guardrails, Modellversion, Evaluation und Monitoring bestimmen das produktive Verhalten mit. Der Zusammenhang muss über Werkzeuggrenzen hinweg erhalten bleiben.

Alle drei sind im Whitepaper „MORe unter Belastung" ausgearbeitet — mit den offengelegten Schwächen und zwei benannten Lücken im Werkzeugmarkt.

Nächste Schritte

Wie ein Einstieg aussieht.

MORe lässt sich schrittweise einführen. Wirksam ist ein begrenzter Anfang: ein Fachgebiet, ein Anwendungsfall, eine vollständige Kette von Bedarf über Entscheidung, Umsetzung und Test bis zum Nachweis. Erst wenn dieser Zusammenhang an einem konkreten Beispiel sichtbar ist, lohnt die Ausweitung.

Ein Assessment zeigt, wo in einem laufenden Projekt dieselbe Information mehrfach geführt wird und welche Ableitungen heute nicht nachweisbar sind. Es ersetzt weder Werkzeuge noch Vorgehensmodelle, sondern beantwortet eine Frage: Kann die Kette heute beantwortet werden — oder erst nach einer Rekonstruktion?